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"Nicht allein auf die gesetzliche Rente vertrauen"

Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, über das sinnvolle Miteinander von gesetzlicher Rente und ergänzender Vorsorge sowie der notwendigen Eigeninitiative.

Herr Professor Hüther, derzeit sind viele Menschen nicht zuletzt wegen unklarer Medienberichte zur Rente verunsichert. Müssen wir bald länger arbeiten, um im Alter angemessen über die Runden zu kommen?

Nicht allein auf die gesetzliche Rente vertrauen (Prof. Dr. Hüther)

Generell ja. Die Menschen beziehen immer länger Rente, weil auch die Lebenserwartung steigt. Deshalb müssen im gesetzlichen Umlagesystem schon heute mehr Rentner von den jüngeren Beitragszahlern versorgt werden. Es wird also nicht ausreichen, die Regelaltersgrenze auf 67 Jahre anzuheben, um das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Jung und Alt dauerhaft zu stabilisieren.

In der Politik werden zwar einige Ansätze diskutiert, um die finanzielle Situation der Menschen im Alter zu verbessern – doch die Unsicherheit vieler Bürger nimmt weiter zu. Was läuft falsch?

Die aktuelle Debatte, in welcher der Eindruck entsteht, dass Reparaturen am gesetzlichen System die ergänzende Vorsorge ersetzen können, schadet eher. Der demografische Wandel überfordert die gesetzliche Rente. Sie alleine kann den Lebensstandard nicht mehr sichern. Umso mehr steht die Politik in der Verantwortung, keine Versprechen zu geben, die nur auf Kosten junger Generationen zu finanzieren sind. Sie muss die ergänzende Altersvorsorge gezielt stärken, damit die Motivation zum Handeln steigt.

Wenn mehr Eigeninitiative gefragt ist: Wie wecken Sie persönlich zum Beispiel bei Freunden und Familie das nötige Bewusstsein für den demografischen Wandel?

Viele Menschen kennen die Herausforderungen inzwischen aus dem eigenen Umfeld. Mangelt es also tatsächlich an dem notwendigen Bewusstsein – oder liegt die Vorsorgemüdigkeit nicht viel mehr am fehlenden Wissen über mögliche Lösungen? Mir scheint, dass sich die Menschen in gesundheitlichen Fragen ganz selbstverständlich professionell beraten lassen – aber nicht bei der finanziellen Vorsorgeplanung. Hier ist ein Bewusstseinswandel wichtig.

Steht also die ergänzende Altersvorsorge derzeit zu Unrecht in der Pauschalkritik?

Ja! Die Riester- oder Basis-Rente sowie die Möglichkeiten zur betrieblichen Altersvorsorge bieten attraktive Möglichkeiten zur eigenverantwortlichen Vorsorge. Auf dem Kapitalmarkt ergeben sich auch im Umfeld niedriger Zinsen weitere Renditechancen bei vertretbarem Risiko. Selbst wenn Renditeerwartungen nicht vollends erfüllt werden können, kann die Alternative nicht darin bestehen, allein auf die gesetzliche Rente zu vertrauen.

Fotoquelle: Photographee.eu