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Eigene Praxis – und dann?

Eine eigene Praxis eröffnen – mit dem Gedanken spielen hierzulande viele Ärzte. Doch der Schritt in die Selbstständigkeit bedeutet nicht nur mehr Freiheit, Eigenverantwortung und flexiblere Arbeitszeiten, sondern bringt auch Herausforderungen mit sich: drei Ärzte, drei Erfahrungen.

Eigene Praxis (Rio Patuca Images)

Fall 1: Praxisnachfolge

„Die Chemie hat sofort gestimmt“

Mehrere Jahre suchte Peter Fülle einen Nachfolger für seine gut gehende Hausarztpraxis in der oberfränkischen Gemeinde Warmensteinach in der Nähe von Bayreuth. Ohne Erfolg. Dann fand er endlich mit Hilfe von MLP Berater Jürgen Eichner den passenden Nachfolger: Allgemeinmediziner Dan Soimosan. Der war 2010 mit Frau und zwei Töchtern aus Rumänien nach Deutschland gekommen und als Assistenzarzt im Klinikum Bayreuth beschäftigt.

„Die Chemie zwischen den beiden Medizinern hat sofort gestimmt“, erinnert sich der auf die Betreuung von Medizinern spezialisierte MLP Berater Jürgen Eichner an das erste Treffen. Dann ging alles schnell: Bereits nach kurzer Zeit hatten sich Fülle und Soimosan geeinigt. Soimosan war als designierter Nachfolger schon vor der Übergabe vor Ort, um die Patienten und das Praxisteam kennen zu lernen – und das deutsche Abrechnungssystem.

So wie bei Peter Fülle gestaltet sich im ländlichen Raum die Suche nach einem Praxisnachfolger häufig schwierig, das zeigt beispielsweise der MLP Gesundheitsreports 2012/13. Danach rechnen drei Viertel der niedergelassenen Ärzte aus Städten oder Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern damit, dass es sehr schwierig sein wird, einen Nachfolger zu finden. Bei der Suche unterstützt auch der MLP Praxenmarkt. Hier können Ärzte einen Nachfolger oder Kooperationspartner für ihre Praxis suchen oder ein Angebot für eine Niederlassung beziehungsweise Praxenübernahme abgeben.

Fall 2: Niederlassung nach vorheriger Krankenhausfestanstellung

„Zwei komplett verschiedene Welten“

Ursula Walther hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Fast 20 Jahre arbeitete die Internistin und Diabetologin als angestellte Krankenhausärztin in verschiedenen Kliniken, zuletzt als Oberärztin. Zwar wollte sie schon länger in die Selbstständigkeit, aber sie fragte sich immer: „Wird mir die fachliche Abwechslung des Klinikalltags fehlen, der ständige Austausch mit Kollegen – und wie groß sind die finanziellen Risiken, die eine eigene Praxis mit sich bringt?“ Aber der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit war stärker. Ursula Walther kündigte schließlich ihre Festanstellung und übernahm im Januar 2011 mit Unterstützung von MLP Beraterin Irene Hartmann eine Diabetespraxis in Erkner, im Umland von Berlin.

Mehr Entscheidungsfreiheit, angenehmere Arbeitszeiten und eine bessere Vergütung sind generell die wichtigsten Motive für Klinikärzte, sich selbstständig zu machen. Auch Internistin Walther möchte, ein gutes Jahr nach dem Start der eigenen Praxis, ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit nicht mehr missen: „Krankenhausalltag und die Arbeit in einer Praxis – das sind zwei komplett verschiedene Welten.“

Fall 3: Bedeutung PKV-Patienten

„Ohne Privatpatienten, das wäre ein Bankrott-Unternehmen“

Peter Schlüter ist Allgemeinmediziner und Hausarzt mit Leib und Seele. Seit rund 30 Jahren führt er eine eigene Praxis im baden-württembergischen Hemsbach im Rhein-Neckar-Kreis. Er hat durch Fortbildungen, etwa in Naturheilverfahren, Chirotherapie und Akupunktur, ein breites Angebotsspektrum für seine Patienten geschaffen. Zum wirtschaftlichen Erfolg seiner Praxis aber haben die zahlreichen Spezialisierungen kaum beigetragen. „Ich beobachte seit Jahren eine schleichende Enteignung der niedergelassenen Ärzte durch das Gesundheitswesen“, erklärt Schlüter. „Viele Bereiche, in denen ich mich weitergebildet habe, kann ich längst nicht mehr mit der gesetzlichen Kasse abrechnen.“

Ohne Privatpatienten und die so genannten Igel-Leistungen, die von gesetzlich Versicherten selbst getragen werden müssen, könne er seine Praxis nicht rentabel führen, sagt Peter Schlüter. „Eine rein hausärztliche Kassenpraxis ohne Privatpatienten wäre ein Bankrott-Unternehmen“, so seine Einschätzung. Und diese teilt auch das Gros der Ärzte hierzulande, wie unter anderem der MLP Gesundheitsreport 2012/13 zeigt: Rund zwei Drittel der Hausärzte und sogar drei Viertel der Fachärzte bescheinigen Privatpatienten eine hohe Bedeutung für den Erfolg einer Praxis.

Allgemeinmediziner Schlüter spürt bereits seit Jahren einen wachsenden Kostendruck. Ein Grund: Die Abrechnungsmöglichkeiten im Hausarztbereich sind immer weniger geworden. Damit seine Praxis überleben kann, muss er mindestens zehn bis 15 Prozent Privatpatienten betreuen. „Ohne die und zusätzliche Igel-Leistungen würde das ganze Geschäftsmodell Hausarztpraxis zusammenbrechen“, sagt er.

Weitere Informationen

Überlastung, Personalengpässe und Kostendruck machen Krankenhausärzten laut MLP Gesundheitsreport zu schaffen. Die eigene Praxis ist auch daher für viele ein Traum.