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Datum
27.11.2018

„Das Feuer in Dir wiedererwecken“

Viele Berufstätige erwischt irgendwann einmal die berufliche Midlife-Crisis. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: Wer die Umbruchzeit als Chance nutzt, kann seiner Karriere frischen Wind und einen ganz neuen Dreh geben.

„Das Feuer in Dir wiedererwecken“ (Svenja Hofert (Foto: Faceland Nikolas Brinkmann))

Sinnkrisen im Job erleben viele Berufstätige. Durch die Digitalisierung haben viele Jobprofile nur noch eine Halbwertzeit von einigen Jahren. Der Gedanke „und was kommt danach“ wird dadurch zum regelmäßigen Begleiter. Doch der rasante Wandel ist kein Grund zur Panik, findet die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert. Vielmehr ist er eine gute Gelegenheit, um alte, längst vergessene oder schlummernde Talente mit neuem Leben zu füllen. Wie Arbeitnehmer die Umbruchzeit produktiv nutzen und sich schon frühzeitig auf die Anforderungen der neuen Arbeitswelt vorbereiten können, verrät die Expertin im Interview.

Wer ist von der beruflichen Midlife-Crisis besonders betroffen?

Derzeit fragen sich vor allem viele Arbeitnehmer um die 50, ob sie es mit dem, was sie aktuell beruflich machen und als Beruf gelernt haben, noch bis zur Rente schaffen. Denn das Tempo, mit dem die Digitalisierung Berufsbilder verändert, ist enorm. Gerade für ältere Berufstätige kann diese Entwicklung zu einem Stolperstein werden. Generell müssen wir uns aber alle daran gewöhnen, regelmäßig neue Weichen im Beruf zu stellen – und vor allem ständig dazuzulernen.

Wie lassen sich solche Umbruchphasen sinnvoll nutzen?

Auch wenn vielen Berufstätigen berufliche Veränderungen erst einmal Angst machen, sollten wir die Neuorientierung als Chance sehen. Und uns am besten schon frühzeitig wappnen, indem wir laufend neue Qualifikationen aufbauen. Es reicht heutzutage nicht mehr aus, sich auf dem abgeschlossenen Studium oder der Ausbildung auszuruhen. Gerade in sich stark wandelnden Branchen wie Marketing oder Vertrieb muss man immer am Ball bleiben.

Sie raten also dazu, sich frühzeitig ein zweites berufliches Standbein aufzubauen?

Genau. Das neue Karrieremodell heißt „Second Skilling“. Gemeint ist, sich permanent und berufsbegleitend in einem zweiten Fachgebiet fit zu machen, um beispielsweise unabhängiger von einer bestimmten Branche zu sein – und sich so auch für einen eventuellen Jobwechsel zu rüsten.

Wie finde ich heraus, was für neue Weichen sich eignen?

Mein Tipp: Das Feuer in sich selber suchen – und wiedererwecken. Erinnern Sie sich zurück, wofür Sie sich als Jugendlicher oder junger Erwachsener besonders interessiert haben – und dieses Talent oder Interesse vielleicht aus Vernunftgründen nicht weiterverfolgt haben. Das zweite Standbein muss überhaupt nicht gradlinig zum bisherigen Job passen. Gucken Sie rechts und links, bleiben Sie neugierig – auch was Kollegen, Freunde, Bekannte im Job machen. Lassen Sie sich inspirieren. Es muss auch nicht gleich ein kompletter neuer Studiengang sein. Auch berufsbegleitende Weiterbildungen, Zertifikate und Workshops sind gute Bausteine, um frischen Wind in die eigene Karriere zu bringen.

Wie gelingt die Neuorientierung, wenn ich bei meinem bisherigen Arbeitgeber bleiben will?

Das ist oft nicht so einfach. Warten Sie nicht darauf, dass Ihnen die Personalabteilung oder ein Vorgesetzter einen neuen Posten anbietet. Ergreifen Sie die Initiative – und schlagen Sie beispielsweise vor, dass Sie in einer interessanten anderen Abteilung hospitieren wollen. Oder bringen Sie sich für ein neues Projekt ins Gespräch. So können Sie Qualitäten von sich zeigen, die Ihr Chef bisher vielleicht gar nicht kannte und intern spannende neue Aufgaben finden.

Zur Person:

Svenja Hofert ist Management- und Karriereberaterin – und hat mehr als 30 Bücher und zahlreiche Kolumnen geschrieben. In einem Großteil ihrer Werke setzt sie sich mit der Arbeitswelt der Zukunft, Persönlichkeitsentwicklung sowie Agilität auseinander.